Poppe Folkerts
Die Emsreisen des Poppe Folkerts
17 Gemälde, selten gezeigte Originale und ein Blick von der Insel auf den Fluss: Die Ausstellung ,,Die Emsreisen des Foppe Folkerts“ im Museum Nordseeheilbad Norderney lädt dazu ein, einen der bedeutendsten ostfriesischen Marine- und Landschaftsmaler neu zu entdecken.

Ab dem 3. November 2026 holt das Museum Nordseeheilbad Norderney die Ems gewissermaßen nach Norderney. Gezeigt werden in der Galerie 17 Gemälde von Poppe Folkerts, dem 1875 auf Norderney geborenen Maler, Zeichner und Grafiker. Wie kaum ein anderer hielt er das Licht über dem Wasser, die Weite der Küstenlandschaft und das Leben an Flüssen und Häfen in seinen Bildern fest. Die Werke führen an die Unterems, in die Landschaft, die Folkerts auf seinen Fahrten erkundete.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Folkerts‘ Reisen auf der Ems und insbesondere auf der Unterems. Mit seinem Schiff, der „Senta“, fuhr er flussaufwärts. Er beobachtete das Leben an den Ufern und hielt seine Eindrücke in Skizzen und Gemälden fest.
Poppe Folkerts war nicht nur ein Maler des Meeres. Er war, wie sein Enkel Hayo Moroni ihn beschreibt, ein „malender Seemann“. Seinen Blick auf die Landschaft richtete er häufig vom Wasser aus. Darin liegt eine besondere Qualität seiner Bilder: Das Land erscheint nicht als festes Gegenüber, sondern als Teil einer Welt, die vom Wasser, vom Wind und vom wechselnden Licht geprägt ist. Hafenansichten, Segelboote, Uferlandschaften, Häuser und Dörfer gewinnen in seinen Gemälden eine Atmosphäre, die zugleich kraftvoll und still wirkt.
Die Ausstellung ist weit mehr als eine Zusammenstellung bekannter Werke. Im Depot der Poppe-Folkerts-Stiftung auf Norderney wurden ungerahmte Bilder entdeckt, von denen mehrere zuvor noch nie öffentlich gezeigt worden waren. Die etwa 100 Jahre alten Arbeiten wurden sorgfältig gereinigt, teilweise restauriert und anschließend fachgerecht gerahmt.
Damit erhält das Publikum die seltene Gelegenheit, einen bislang wenig bekannten Teil von Folkerts‘ künstlerischem Schaffen kennenzulernen. Viele der ausgestellten Werke stammen aus den 192oer- und 193oer-Jahren. Sie zeigen einen Künstler, der seine Motive aufmerksam beobachtete und großen Wert auf eine sichere handwerkliche Grundlage legte. Ein Satz, den Folkerts nach der Überlieferung seiner Familie häufig gebrauchte, bringt dieses Selbstverständnis auf den Punkt: „Vor der Kunst gehört das Handwerk.“
Die Breite der Motive und die Sicherheit seiner Malweise lassen erkennen, weshalb Folkerts heute zu den bedeutenden deutschen Marinemalern gezählt wird. Besonders eindrucksvoll ist seine Fähigkeit, Wasser und Licht nicht lediglich abzubilden, sondern ihre Bewegung und Stimmung spürbar werden zu lassen. Das Wasser ist in seinen Arbeiten niemals nur Hintergrund. Es bestimmt den Blickwinkel, trägt die Boote, spiegelt den Himmel und verbindet die dargestellten Orte miteinander.
Auf seinen Fahrten kam Folkerts nach Mitling-Mark, Jemgum, Leerort und Ditzum. Manches zeichnete er unterwegs und arbeitete es später in seinem Atelier auf Norderney aus.
Anderes malte er unmittelbar vor Ort oder sogar von seinem Schiff aus. Besonders eng war seine Verbindung zu Ditzum. In der Ausstellung ist das Gemälde „Ditzum – Hafen – Morgensonne“ zu sehen. Es zeigt Segelboote im bewegten Wasser vor den Häusern des Hafens. Das Bild steht beispielhaft für die Perspektive, die Folkerts‘ Werke unverwechselbar macht: Der Betrachter steht gedanklich nicht am Ufer, sondern befindet sich mitten auf dem Wasser.
In Ditzum entstand im Sommer 1949 auch Folkerts‘ letztes Bild. Kurz darauf starb er überraschend. Seine Arbeiten bewahren deshalb nicht nur historische Ansichten der ostfriesischen Landschaft. Sie bewahren auch die unmittelbaren Eindrücke eines Künstlers, der diese Landschaft vom Wasser aus kannte und liebte.
Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Heidi Daniel und Hayo Moroni, dem Enkel des Künstlers und Vorstand der Poppe-Folkerts-Stiftung.
Die Ausstellung macht sichtbar, wie eng Norderney, die Ems und das Rheiderland im Werk des Künstlers miteinander verbunden sind. Sie ist deshalb nicht nur für Kennerinnen und Kenner ostfriesischer Kunst sehenswert. Auch Insulanerinnen und Insulaner, Gäste der Insel und alle, die Ditzum oder die Landschaft an der Unterems aus eigener Anschauung kennen, können darin Vertrautes neu entdecken.
Zugleich ist die Ausstellung ein Schritt auf dem Weg zu einem lange verfolgten Ziel der Poppe-Folkerts-Stiftung, die sich für die Bewahrung und öffentliche Präsentation des künstlerischen Nachlasses einsetzt und ein Poppe Folkerts Museum errichten möchte.
Die Ausstellung ist damit Einladung und Appell zugleich. Sie lädt dazu ein, die Ems mit den Augen eines malenden Seemanns zu betrachten. Und sie erinnert daran, dass ein bedeutendes kulturelles Erbe nur dann lebendig bleibt, wenn es gesehen, bewahrt und weitergetragen wird.
