Die

galerie □ hans trimborn

Die im März 2012 eröffnete Galerie zeigt Gemälde und Zeichnungen des Malers Hans Trimborn (1891-1979). Geboren in Plittersdorf bei Bonn, lebte Trimborn von 1919 bis 1939 auf Norderney, dann auf dem Festland in Lütetsburg, Arle und Norden.

Hans Trimborn hat ein umfangreiches und vielseitiges Werk hinterlassen.

Er hielt in seinen Bildern Landschaften, aber auch Religiöses und Spirituelles, vor allem aber ausdrucksstarke Portraits, dazu Blumen, Häuser und Schiffe fest.

Auch die Musik gehörte zu seinen Leidenschaften; er spielte Klavier, Saxophon und Klarinette, komponierte und vertonte Gedichte, spielte auf Norderney in Cafés und Bars.

Freundschaften und Bekanntschaften verbanden Trimborn u.a. mit dem Dirigenten Otto Klemperer, der Pianistein Elly Ney, mit dem Bildhauer Bernhard Hoetger und Martha Vogeler in Worpswede.

Neben dem Ostfriesischen Landesmuseum in Emden ist die galerie □ hans trimborn auf Norderney die bislang einzige Dauerausstellung, die seine Werke zeigt. Die Galerie erinnert an einen bedeutenden Künstler Ostfrieslands und würdigt sein Schaffen.

„KIEKBIMUTT“
Kaffee und Kunst auf Norderney

Im August 1921 wird der Bremer Großkaufmann (Kaffee Hag) und Kunstmäzen Ludwig Roselius (1874-1943) im Seebad Norderney auf Gemälde von Hans Trimborn aufmerksam. Auf die Versuche von Roselius, den talentierten Künstler durch eine engagierte Förderung in der norddeutschen Kunstszene bekannt zu machen, reagiert Trimborn nur verhalten. Immerhin gelingt es Roselius, Trimborn mit dem Bildhauer, Maler und Architekten Bernhard Hoetger (1874-1949) bekannt zu machen. Im Sommer 1922 reist Trimborn zu Hoetger nach Worpswede. Hier lernt er weitere bekannte Künstler kennen, dazu auch Martha Vogeler im „Haus im Schluh“. Zwischen Hoetger und Trimborn entwickelt sich ein künstlerischer Dialog, der in den nächsten Jahren durch gegenseitige Besuche belebt wird.

1922 hatte Hoetger mit dem Kaffee WINUWUK und dem Ausstellungsgebäude „Sonnenhof“ in Bad Harzburg eine Kombination von Cafébetrieb und Kunstgalerie baulich umgesetzt. 1923 gründet er die Kaffee Worpswede GmbH, dessen Geschäftsführer der Galerist Martin Goldyga, Bad Harzburg, wird.

Hoetger, Goldyga und Hans Trimborn entwickeln für Norderney ein Pilotprojekt. Am 9. April 1924 stellen die „Vereinigten Worpsweder Kunsthütten“, deren Technischer Leiter Hoetger ist, und welche „in mehreren großen deutschen Kurorten Absatzgebiete für ihre Erzeugnisse“ schaffen will, bei der Gemeinde Norderney einen Konzessionsantrag. Darin ist aufgeführt, dass es sich um ein rein künstlerisches Unternehmen handelt, welches neben einer Kunstausstellung aus einem kleinen Café („Platz für ca. 30 Menschen“) nebst Konditorei besteht. „Es sollen dort auch ungezwungene musikalische Unterhaltungen und Vorträge stattfinden.“

Eingerichtet wird das Künstlercafé in dem vom Architekten Nienburg entworfenen Gebäudeensemble (im „Schweizer Baustil“) nahe der Promenade am Nordweststrand – gegenüber dem Pavillon des Scherl-Verlages (heute Milchbar). In dem Gebäude befindet sich die Buchhandlung von Hermann Braams, daneben die Agentur der Hapag. In den Räumen der Hamburger Reederei entsteht nach Entwürfen von Hoetger das Café. Die Bemalung der Wände übernimmt Hans Trimborn.

Es wird Mitte Juli 1924 unter dem Namen „Kaffee Kiekbimutt“ eröffnet. Die Benennung leitet sich ab von den Anfangsbuchstaben des Satzes „Kunst ist Geist bewegt in Meer und Dünen“. Demzufolge bezeichnet Trimborn das Café auch mehrfach als KIGBIMUD.

In einem Artikel der Norderneyer Badezeitung wird die Eröffnung als „glückliche Verbindung von hochwertiger Kunstausstellung und originellem Kunstbetrieb“ beschrieben:

„Die Einrichtung ist vom feinsten, künstlerischen Takt. An den Wänden Werke der Worpsweder und anderer Meister: Paula Modersohn-Becker mit ihren Bildern von leidenschaftlich tief erfasstem und still gerundetem Leben. Bernh. Hoetger, der vielfältige, mit köstlichen Gemälden und Bronzen von bedeutender Linie, Rolfs (Anm.: Rohlfs), Kolmar, Trimborn, Hoeck; sie, die alle sich treffen in unbestechlichem Ringen um innerliche Schönheit des Lebens.“

Roselius steht dem Projekt skeptisch gegenüber. 1925 wird das KIGBIMUTT in Hoetgers Konzept der Kaffee Worpswede GmbH eingegliedert und als Kaffee Worpswede weiterbetrieben. 1926 ist Roselius Mitgesellschafter der Kaffee Worpswede GmbH, der im KIGBIMUTT eine unnötige Konkurrenz zu seinem Café Hag am Kurplatz sieht (früher Central Café, heute GOSCH Sylt).

Im Frühjahr 1926 schließt das Künstlercafé, in das nun der „Dresdner Kasperl“ Oswald Hempel einzieht. Den Entwurf des Puppentheaters liefert Hoetger, die „prächtigen Malereien der Decke“ schafft Trimborn.